II.Re.: Liebe als Phänomen der sinnlich wahrnehmbaren Welt

Ein fauler Blog-Eintrag, halb zusammen gestückelt aus Wikipedia…

Trennung

Dass die Liebe einzig und allein ein Phänomen der sinnlich wahrnembaren Welt sein soll, kann ich nicht vollkommen nachvollziehen. Dass Gefühle nur etwas körperliches sein sollen, ergibt für mich keinen Sinn, auch wenn ich es im Kontext des religiösen Verständnis des „Einen“ zu sehen versuche. Wird hier die Ansicht vertreten, dass der Ursprung allen Seins keine Gefühle braucht? Es gibt keine Zeit, keine Materie, keine Konversation und keine Gefühle. Und trotzdem entsteht all das aus dem „Einen“ – falls ich es richtig verstanden habe… Das eine müsste also all das sein: Zeit, Materie, Liebe. Aber es ist wohl eher Nichts…

Was ich in diesem Konstrukt jedoch nachvollziehen kann, ist die Sehnsucht, wieder eins zu werden – wieder das „Eine“ zu werden. Die Liebe ist nicht Selbstzweck – das Ziel der Liebe ist die Vereinigung. Hier meine ich nicht die fleischliche Vereinigung, sondern Vereinigung mit dem Äusseren auf geistiger Ebene. Natürlich führt das beim biologisch-physikalisch getriebenen Menschen oft zu einer sexuellen Vereinigung. Und – falls wir bei der Liebe zwischen Mann und Frau bleiben – das davon rührende sexuelle Verlangen äußert sich in und gründet sich auf romantischer Liebe, das wiederum in Verliebtsein anfängt und meist als die Liebe an sich mißverstanden wird.

Amüsanterweise hat Erich Fromm – ohne sich in jeglicher Weise auf das „Eine“ zu beziehen – von einem ähnlichen Phänomen gesprochen, in seinem hervorragenden Buch „Die Kunst des Liebens“:

Im zweiten Kapitel, „Die Theorie der Liebe“, wird die Grundidee entwickelt, nach der das Bewusstsein der Trennung der Menschen untereinander die Quelle aller Ängste und Schuldgefühle ist: „Das Bewußtsein der menschlichen Getrenntheit ohne Wiedervereinigung durch Liebe – das ist die Quelle der Scham. Gleichzeitig ist es die Quelle von Schuld und Angst.“ (S. 25). (…) Der Mensch „hat aufgehört, er selbst zu sein – denn jenseits jener Vereinigung durch Anpassung findet keine Vereinigung statt.“ (S. 36). (Quelle: Wikipedia.de)

Hier könnte man natürlich einwerfen, dass der Mensch Teil des „Einen“ ist und somit nie er selbst sein kann, solange er nicht zurückkehrt zum Ursprung. Deswegen ist er immer auf der Suche nach Vereinigung.

Was mir besonders an Fromms Ideen gefällt, ist die Aussage, dass es eben nicht um fleischliche Vereinigung geht, sondern darum, dass wahre Liebe etwas Geistiges und Reifes sei, das eigene Integrität und Individualität wahrt. Deswegen hat wahre Liebe ganz und gar nichts mit Besitznahme und Herrschaft zu tun. Wenn wir wieder von dem „Einen“ sprechen wollen, würden wir die Frage stellen: „Warum sollte sie auch sadistisch bzw. masochistisch sein, wenn die Liebe das „Eine“ ist?“ (…ehem..na gut..das „Eine“ ist ja sadistisch und masochistisch, denn es ist Alles…aber das übersehen wir jetzt mal…)

Für den produktiven (aktiven, kreativen) Charakter sei das Geben jedoch Ausdruck der Gewissheit eines auf beiden Seiten positiven Zuwachses im Sinne von „Geteilte Freude ist doppelte Freude.“ Darüber hinaus enthalte die Liebe des aktiven Charakters auch die Elemente der FürsorgeVerantwortungsgefühlAchtung vor dem Anderen und Erkenntnis. (…) Liebe ist nach Fromm eine Haltung, die nicht auf ein einziges Objekt bezogen werden kann, sondern sich auf die ganze Welt erstrecken muss. Dennoch unterscheidet er zwischen den verschiedenen Arten von Liebe nach ihren Objekten, nämlich Nächstenliebe, Mutterliebe, erotische Liebe, Selbstliebe und Liebe zu Gott. (Quelle: Wikipedia.de)

Und diese verschiedenen Manifestierungen der Liebe (sie ist eigentlich immer die eine und selbe, äußert sich dem Menschen jedoch in verschiedenen Arten) kommen nicht einfach daher. Warum sollte als einziges im Leben die Liebe etwas sein, das wir ohne Arbeit oder Übung empfangen können? Das Überleben ist hart – wir arbeiten jeden Tag daran! Kommunikation ist schwierig – wir haben regelmäßig Probleme durch sie! Jeder Beruf, jede Aktion in unseren Leben fordert etwas von uns. Warum sollte Liebe einfach zu uns kommen und uns glücklich machen?

Auch sie will gelernt sein! Liebe ist – ganz im Sinne Fromms – eine Kunst!

Als allgemeine Voraussetzungen, die nicht nur die Kunst des Liebens, sondern jede Kunst (im Sinne von Fähigkeit) betreffen, nennt er SelbstdisziplinKonzentrationGeduld, das Wichtignehmen der Kunst und ein Gespür für sich selbst. (…) Weiterhin müsse es einem natürlich auch wichtig sein, eine Kunst zu erlangen, sonst würde man sie niemals erreichen. (…) Als Voraussetzungen, speziell die Kunst des Liebens zu erlangen, bezeichnet Fromm die Überwindung des eigenen Narzissmus (…). Mit der Überwindung des eigenen Narzissmus meint Fromm das Erlangen der Fähigkeit, Menschen und Dinge objektiv zu sehen, und nicht nur aus dem eigenen Blickwinkel. (Quelle: Wikipedia.de)

Und wenn die Liebe erlernt wurde, wird uns nicht mehr die falsche Hoffnung auf ewige, romantische Liebe quälen – denn sie ist viel mehr geworden als das. 

Auch wenn wir wohl niemals eins werden können, bleibt doch die Liebe, um uns gegenseitig näher zu kommen – und das ist Überleben. 

Aber mehr noch als die Liebe, frage ich mich da eher, woher der Hass kommt und wofür er gut sein soll…