II Re: Choke on that!

I don`t choke, I survive!

Ein Blogeintrag, in dem das Wort „Überleben“ oft vorkommt.

The Gold

Der Film „The Grey“ ist nicht nur über die Härte das Lebens, das wir ertragen müssen, da wir im Leben stehen (und es keine Alternative gibt, auch nicht den Tod, denn der ist Teil des Lebens), sondern über das Überleben selbst – die Essenz des Lebens selbst. Der Film nimmt da auch keine Wertung vor – Überleben heißt Leben; das ist weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes. Deswegen ist der Film so erfolgreich in seiner Nachricht. Hätte er uns näher bringen wollen, dass Liam Neesons Charakter Ottway unter den Vorkommnissen in seinem Leben (seine große Liebe, die an einer Krankheit gestorben ist, das harte Leben in Alaska, die Menschen um ihn, die sterben, die Jagd auf ihn durch Wölfe) so sehr leidet, und dass das die Schrecklichkeit des Lebens ist, wäre der Film einfach nur eine pessimistische Tirade gewesen. Doch sogar als sich der Charakter Diaz dazu entscheidet, zu sterben, bleibt der Film und Ottway neutral. Es ist ein verständnisvoller Film, der nichts schön zeichnet.

Dieser Film hat mit dem normalen Städtler sehr wenig zu tun – sehr wenige von uns werden uns in einer ähnlichen Situation wiederfinden wie die Männer, die die Kälte und die natürlichen Feinde nicht überleben. Und doch hat mich der Film tief bewegt, denn es geht um das Überleben, und überleben muss ein Jeder.
Das Überleben beschäftigt mich täglich auf anderen Ebenen. Grundsätzlich ist es ja recht einfach für einen Menschen wie mich zu überleben: Ich muss nur einen Job finden, der mir nur soviel Geld bietet, dass ich ein Dach über dem Kopf, Wärme, Kleidung und Essen habe. Auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit gelingt einem das recht einfach in einem Land wie Deutschland (anstatt Job dann eben Sozialhilfe o.Ä.).

Doch hört da das Überleben auf? Ich denke, bei weitem nicht, und ich trainiere – eine Wortwahl aufgrund mir gerade fehlender, besserer Ausdrücke – fast täglich, im Leben so zurecht zu kommen, dass ich überlebe. Das fängt beim Essen und Trinken – etwas ganz essentielles – an, um ein Beispiel zu nennen. Da gibt es zwei Punkte, die mich immer wieder beschäftigen:

  • Seit Jahren arbeite ich daran, ohne Vorurteile alles zu essen, was dem Menschen bekommt. Man hat, seit man auf die Welt kommt, Lebensmittel, die einem besser munden als andere. Es gibt Bestimmtes, das man abgrundtief hasst und es umgeht, da der Geschmack auf der Zunge zu wider erscheint. Es gibt Essen, das einen anwidern kann – besonders aus anderen Kulturen; Unbekanntes. Das geht bei dem lokalen Gemüse wie Rosenkohl und Wirsing los und bei für unsere Kultur weit extremeren Sachen weiter. Wer hat schon einmal chinesische Schweine- und Hühnerfüße gegessen? Wer die fermentierte, alkoholische Milch eines Pferds getrunken? Verrotteter Fisch? Marinierte und gebratene Insekten?

Es hat nicht unbedingt etwas mit Überleben zu tun, wenn man sich dazu zwingt, sich an alle Gerichte dieser Welt zu gewöhnen. Ich gehe nicht davon aus, dass irgendwann in meiner Biospähre ein Krieg ausbricht und das einzige, was ich zwischen die Zähne bekomme, gebratener Hund ist. Aber ich möchte auch nicht – Entschuldigung für den extremen Ausdruck – darunter leiden müssen, etwas zu essen, was mir eigentlich nicht schmeckt oder mich anekelt. Ich möchte neutral zu allem stehen können, so dass ich wiederum dadurch alles genießen kann. Schließlich ist Essen nicht einfach nur Essen, sondern kann so vieles mehr sein: Erlebnis, Zeit mit Freunden, sein Herz für Andere und andere Kulturen zu öffnen usw. in diesem Sinn. Dieser Punkt steht in Zusammenhang mit dem nächsten:

  • Ich versuche, mich positiv, d.h. gesund zu ernähren. Ein Stück Rosenkohl hat positive Auswirkung auf meinen Körper (ein weiterer Grund, sich an den Geschmack zu gewöhnen – aus diesem Grund kann ich auch so grauenhaft schmeckenden Saft wie Noni-Saft sehr empfehlen!) aber im Gegensatz dazu kann mich ein Übermaß an Zucker-Produkten tief nach unten ziehen. Ja, ich kann überleben mit einer Nahrung, die schlecht für meinen Körper ist – auch wenn bestimmte Krankheiten folgen. Aber mein seelischer/geistiger Zustand ist davon auch betroffen. Industrie-Fett/Öl, weisses Mehl und Reis, Zucker, künstliche Stoffe etc. pp. tragen auch dazu bei, dass man negativer denkt, dass man Ansporn und Energie verliert usw. in diesem Sinn.

Keine seelischen Krankheiten mit mir zu tragen bedeutet ebenso Überleben. Weniger zu leiden bedeutet für mich Überleben. Im Alltag und in kleinem Maße hat das Leiden keine großen Folgen – es hat nichts direktes mit dem Begriff des Überlebens zu tun (ich leben weiter, bis mein Körper auf mehr oder weniger natürliche Weise abschaltet; jetzt sofort kommt also nicht der Tod). Doch weitergedacht und weiterentwickelt bedeutet Leiden in der Folge den Tod. Leide ich so sehr, dass ich das Leben nicht mehr ertragen möchte, nehme ich mir eben dieses – genauso wie es Ottway am Anfang des Films versuchte. Fresse ich mich in eine Depression kann das die Folge sein. Komme ich nicht mit den kleinen Leiden des Alltags zurecht, kann das zu einer Depression oder einem anderen Leiden größerer Art führen. 

Aus diesem Grund möchte ich das Leben so neutral sehen, wie irgend möglich – das Leben scherrt sich nicht um mich! Warum sollte ich mich um das Leben scherren? Diese Frage natürlich im positiven bzw. neutralen Sinne! Also: Warum sollte mich es stören, wenn das Leben grausam zu mir ist, schließlich ist das nur eine Definition von mir! Warum soll ich mich unterkriegen lassen, wenn das doch nicht das Ziel, der Sinn des Lebens ist – sondern eben umgekehrt: das Überleben!

Wenn der Sinn des Lebens wäre, zu sterben, hätte ich sogleich aus dem Leben scheiden können, sobald ich dieses in Besitz bekommen habe. Aus dem Mutterleib in den Sarg!

Diese Ansicht bringt mich im Alltag dazu, über viele Dinge nachzudenken, und sie in Korrelation zum Überleben und der eigentlichen Neutralität des Lebens zu setzen – da gibt es keine Grenzen. Nicht nur Job und Essen, auch Ängste (Todesängste), Kommunikation, Tagesplanung, Ziele, soziale Interaktion etc. kommen dazu. All das gehört zum positiven Überleben. Positiv in dem Sinne, dass es mich nicht in den Pessimismus und Negation des Lebens führt, was – plump gesagt – gleichzusetzen ist mit dem Sterben.

Da kann natürlich schon einmal das Web 2.0 als sehr lapidar erscheinen – eine Masse von Unbekannten, die über ihre eigene unwichtige Meinung oder die Anderer siniert. Eine Masse, die meint, dass sie sozial aktiv sei, und es doch im Grunde nicht ist (ist das überlebensfördernd?). Auch dieser Blog-Eintrag gehört wohl dazu. Nun ja, vielleicht liest ihn ja doch jemand ausser Dusan Sostaric, und findet Wahrheit und Inspiration und eine bessere Weise, um zu überleben.

Vielleicht nutzen wir aber auch alle das Web 2.0, um uns auszusprechen, um unseren Gedanken Freiheit zu schaffen, und damit weniger nach Innen gekehrt zu sein und an diesen Gedanken zu ersticken. Vielleicht sind all diese Gedanken und Worte, die jeden Tag, jede Sekunde im Web geäußert werden, auch gar nicht wert, ausgesprochen zu werden. Mit anderen Worten: Hätten sich viele vorher mit dem beschäftigt, was sie schreiben wollten, wären sie vielleicht zu einer neutralen Haltung den Themen gegenüber gekommen, die sie in den endlosen Blog-Einträgen, Tweets und Facebook-Posts beklagen und beschreien. Und könnten es genauso wie Ottway in „The Grey“ machen: einfach die klappe halten und überleben! 

Ein sehr sympathischer Charakter…