IV.RE.:Auf der anderen Seite des Fensters

photo by Manuel Mousiol

photo by Manuel Mousiol

05:03:30 Er nickte stumm, immer wieder, genoss mit gemischten Gefühlen das Vergnügen, doch wie das in solchen Situation meist ist, hörte es früher auf als erwartet – obgleich er in Wirklichkeit keine Erwartung in diesem Sinne hatte – und nun stand Aisa über ihm und sagte etwas in der Bedeutung von „Jetzt bin ich an der Reihe“. Und er hatte entweder nicht bemerkt, wie sie ihr Höschen ausgezogen hatte, oder sie hatte niemals eines an; und er versuchte sich daran zu erinnern, ob er Linien unter ihrem Rock gesehen hatte, zu dem Zeitpunkt, als er das Haus betrat.

 

05:00:10 Sie hatte seine Hände auf ihren Hintern gelegt und ihn dazu ermuntert, mit voller Kraft zuzugreifen während sie fest an ihn gepresst war und laut und lange stöhnte.

 

04:55:55 Im ersten Stock des Hauses in dem Schlafzimmer angekommen – die Bezüge waren aus grau eingefärbter Seide, schimmernd und schlüpfrig (dieses Wort wollte ihm später nicht recht aus dem Kopf gehen) – gab sie ihm klare Anweisungen, die er stumm befolgte. Er war weder großartig aufgeregt noch vollkommen in Ruhe, eher schien sein Herz nicht im richtigen Rhythmus zu schlagen und er begann Seitenstechen zu bekommen, während er sie am Bettpfosten mit Seilen unbeweglich machte, immer fester, immer fester; sie wollte anscheinend Blut sehen, denn erst als sich ihre Haut anfing aufzureiben, befahl sie ihm, ganz fest an ihren Brustwarzen zu lutschen.

 

04:52:40 Er war sich nicht vollkommen bewusst, wie er dazu kam, ihren Hals zu würgen, während er auf ihren harten Nippeln herum biss; einzig war er sich bewusst, auf was das ganze hinauslaufen würde und plötzlich spürte er den harten bitterkalten Luftstoß aus der Klimaanlage, die über der Tür des Zimmers angebracht auf das Bett gerichtet war; und er dachte zu spüren, wie sein Handy in seiner Hosentasche vibrierte, in die er greifen zu versuchte, doch er hatte seine Hose nicht an und sah vor seinem geistigen Auge die Jeans auf der weißen Couch im Erdgeschoss liegen, daneben der rote Eistee auf dem Boden.

 

04:51:49 „Stoß zu!“ ächzte sie, während sie ihn mit dem nackten Fuß von sich stieß: der rote Lippenstift verschmiert über und unter ihrer Lippe, das Haar zerzaust, die Beine langsam spreizend, Kratzspuren auf ihren Brüsten, an ihren Armen. Er kniete vor ihr und sein Tunnelblick hielt ihn davon ab, auch dieses Zimmer zu analysieren. Die Worte der letzten SMS gingen ihm andauernd durch den Kopf, das Seitenstechen brachte ihn dazu, seine Haltung zur linken Seite zu justieren, er atmete tief und sah in Aisas jetzt blass blau wirkende Augen mit den vergrößerten Pupillen. Er griff noch einmal unwillkürlich in Richtung seiner Hosentasche und richtete sich sofort auf. In der Tat war es augenscheinlich ein besonderer Tag – wann hatte er an einem Freitag Nachmittag in einem neu eingerichteten Schlafzimmer einer Fremden in deren Bett gestanden, nur ein blaues T-Shirt an, auf dem in weißer Schrift geschrieben stand „Ich kann auch anders – aber noch nicht heute!“, und sie gab sich ihm hin, oder sich ihr?

 

04:49:57 Wieder im Wohnzimmer angelangt, zog er sich seine Hose schnell an, während er schnell um sich und in den Garten blickte, um zu bestätigen, dass ihn Niemand gesehen hatte. Während er an den Frauen-Zeitschriften vorbei durch die große Glastür aus dem Haus ging las er die nächsten Nachrichten, die ihn die letzten Minuten erreicht hatten und blickte etwas nervös nach Oben in den ersten Stock, wo er sie zwar nicht aus dem Fenster blickend erwartete, es sich aber vorstellte – wie in einem dieser Hollywood-Filme, in denen es dann dunkel wäre und regnete und ein Donner und ein Blitz die Szene beenden würden; aber es war zum Schwitzen heiß und sie arbeitete wahrscheinlich noch an ihren Fesseln oder aber schon an sich selbst, dachte er sich auf gehetzten Weg zurück in seinen Garten.