III.Re:Wie ein Bananenbaum

Der metaphorische Selbstmord – jeglicher Abbruch jahrelang gepflegter Beziehungen – Fliehen aus der Realität.

Nachdem er aufwachen wird, wird er sich auf seinen Rücken drehen; an die helle Holzdecke starrend, von Zeit zu Zeit – aber weniger als normalerweise – unruhig blinzelnd. Der Schock des Vortages und der Nacht wird zwar nicht vergangen, aber doch abgeklungen sein, und er wird nun wieder versuchen, klare Gedanken zu formen, während spontan aufkommenes Jucken ihn zu weniger spontanen Kratz-Bewegungen treiben wird.

Zwei Gedanken werden ihn auch an diesem Morgen erschüttern zu wissen: Der erste wird das Bewußtsein sein, dass er fast sein gesamtes soziales Netzwerk durch eine zeitlich unbestimmte, mehrjährige Reise verloren hätte. Die Vorstellung eines sozialen Lochs, in das er bei seiner Heimkehr fallen würde, wird ihn schaudern machen. Der zweite wird die Erkenntnis sein, dass sein Vorhaben nur eine willkürliche Wahl war, um eine Lösung seiner unspezifischen Identitätskrise zu finden. In welcher Verbindung stände eine Reise denn wirklich mit seiner derzeitigen Existenz ? Wem sollte er damit helfen, als nur seinem egozentrischen Selbst? Wie hätte er sich definiert, wenn er wieder zurückkäme? Wäre das nicht alles nur ein Deckmantel zur permanenten Selbstbefriedigung in nicht- (aber auch) sexueller Form gewesen?

Nein, die Lösung – wird er sich innerlich zusprechen – läge genau hier an der Wurzel seines Daseins-Mikokosmos. Er müsste ja nicht als Tagelöhner im Ausland seine Existenz bestreiten, um zu neuen Höhen zu gelangen – auch hier würde er seine Arbeit kündigen und den Tag zu nutzen wissen; oder nach der Arbeit und an Wochenenden seinem neuen Ziel nachgehen. Er würde weniger konsumieren; weniger Zeit vor Computer und Fernseher vergeuden. Er würde jeden Tag ein paar Stunden meditieren; an einem klaren Verstand schaffen. Würde Anderen ein positives Beispiel an Nächstenliebe und Kommunikationsfähigkeiten sein. Würde sich – auch mit seinem schubladeweisen erwirtschafteten Lohn – in Nichtregierungsorganisationen aktiv beteiligen und an dem eigenen Gemüsegarten arbeiten, um ein inspirierendes Vorbild zu bilden. Würde sich mehr kritisieren – und dabei studieren und verbessern – und seine Mitmenschen mehr respektieren lernen.

Durch all diese positiven Bestrebungen wird sein Körper mit Noradenalinen, Serotoninen, Endorphinen durchströmt werden; er wird sein Herz – fast so wie am Vortag – schneller schlagen wissen. Doch zur selben Zeit werden kleine Schweissperlen auf seiner Stirn und dem oberen Teil seiner Ohrmuschel hervokommen – zusammen mit der unbeantworteten Frage, wie er sein Leben in seiner durch und durch ausdefinierten Alltäglichkeit an diese Bestrebungen anpassen wird; ohne Schlussstrich, ohne dramatisch zu kategorisierende Wende.

Er wird die Holzfurniere über ihm eine Weile, -aber- eine gefühlte Grenzenlosigkeit, ansehen – vielmehr in ihre Richtung stieren -, bevor er sich die warme Decke erneut über seinen Kopf ziehen , sich auf die Seite drehen und erneut und für unbestimmte Zeit in einen Schlaf fallen wird.